Kunst?!

By Ulf

Ein Hund anketten und verhungern lassen. Ist das Kunst? Nein, sicher nicht. Sehe ich zumindest so. Das kann auch der Satz „Du bist, was du liest“, der mit Hundefutter an die Wand geschrieben war, vor der der Hund angekettet war, nicht ändern.

Logisch, dass Guillermo Vargas, Schöpfer des Werkes, der im Übrigen schon öfter durch provakante Kunst aufgefallen ist, versucht sein „Kunstwerk“ zu verteidigen. Zum Beispiel, dass niemand den Hund befreit habe (was muss man eigentlich für ein Mensch sein, wenn man das hungernde Tier nicht einmal füttert?), dass alle nur zugeguckt haben und sich jetzt erst dafür interessieren, wo das Tier tatsächlich gestorben ist. Er wollte an den Tod von Natividad Canda erinnern, der bei einem Angriff von zwei Rottweilern getötet wurde. Auch ihm habe keiner geholfen, argumentiert Vargas.

Zum Glück verzichten viel Künstler auf diese Art der Erinnerung auf Tote. Oder wie würde sonst das Holocaust-Mahnmal aussehen? Eben. Es ist zwar ein ziemlich abgehobener Vergleich, der relationsmäßig in einer ganz anderen Liga spielt, aber dennoch ist da was Wahres dran.

Thema aufgegriffen von von: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,512799,00.html

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16 Antworten zu „Kunst?!“

  1. wolf sagt:

    Aua, der Vergleich hinkt ganz gewaltig. Das Holocaust-Mahnmal ist wie der Name schon sagt erst mal ein Mahnmal und dann vielleicht viel später auch ein Kunstwerk. Wenn ein Künstler jetzt dieses Mahnmal als Anlass nehmen würde, zu provozieren, dann könnte das eventuell hinkommen – aber wir hoffen mal, dass diese Provokation nicht auf so geschmacklose Art erfolgt.
    Wenn Kunst mit Leben spielt, ist die Grenze häufig überschritten. Von daher stimme ich deiner Einschätzung zu. In Deutschland würde dem „Künstler“ höchstwahrscheinlich eine Klage wegen Tierquälerei (oder noch mehr, bin kein Jurist) drohen.
    Über die Kunst der Provokation oder die Provokation in/mit der Kunst kann man hier http://www.ard.de/kultur/kunst-ausstellung/provokante-kunst-mcgowan-baselitz/-/id=8394/nid=8394/did=553790/za2g3a/ einige Beispiele finden.
    Dass solche Beispiele nicht nur in der bildenden Kunst vorkommen, bewies Rainald Goetz bei einer Lesung seines Romans „Irre“ 1983, bei der er sich die Stirn mit einer Rasierklinge aufritzte. Wer es wirklich sehen will, der findet die Dokumentation hier http://www.youtube.com/watch?v=VXmnDLfYfNs

  2. .hugn sagt:

    Ich finde den Vergleich mehr als passend.

  3. sanja sagt:

    lol – er sagt ja selbst, er gibt nicht preis ob der hund lebt oder nicht. das ist ein fressen für die medien – mehr nicht. war genauso als die milka-kuh geschlachtet werden sollte. tierschützer und jeder b-promi lief sturm. als das vieh später tatsächlich starb interessierte das keinen dreck.

  4. lysch sagt:

    Nicht ganz, Sanja – die Medien haben das Thema erst aufgegriffen, nachdem Blogger den Fall publik machten. (Wahrscheinlich waren sie zu sehr damit beschäftigt, zum 100.000 mal über Hundekacke oder Nichtraucherschutz zu berichten?)

    Wie auch immer – erst nachdem die Medien dann endlich mal den Hintern hoch bekamen, um zu berichten, und erst nachdem eine Online-Petition gegen ihen gestartet wurde, ruderte der „Künstler“ plötzlich zurück. Dann hieß es plötzlich, er gebe nicht Preis ob der Hund noch lebt oder nicht. Die Recherchen der Blogger, die zuerst darüber berichteten sagten etwas anderes aus…

    Sie auch: http://eliwagar.typepad.com/blog/2007/10/natividad-die-k.html

  5. Alex sagt:

    Dass ich nicht lache … „Recherchen der Blogger“ … wenn weltweit einer vom anderen abschreibt, nennt sich das jetzt neuerdings „Recherche“?

    „die Medien dann endlich mal den Hintern hoch bekamen“ … LOL. Wenn dann zu guter Letzt auch der Spiegel bei den Mainstream-Bloggern abschreibt dann wird das jetzt auch schon zum Ereignis hochstilisiert.

    Ich sehe das genau wie Sanja. Das ist ein inszeniertes Spektakel, und die dämliche Blogosphäre fällt mit Pauken und Trompeten drauf rein. In diesem Sinne macht der Großteil der Blogger die sich mit diesem Thema „befassen“ nix anderes wie die BILD (die übrigens noch nicht darüber berichtet hat): jeder noch so hanebüchene Unsinn gibt ne Schlagzeile her, Hauptsache es drückt gewaltig auf die Tränendrüse.

    Statt auf andere Blogs zu verlinken könnte man ja mal auf die entsprechenden Online-Ausgaben der nicaraguanischen Zeitungen (La Prensa, Nacion) verlinken – zu den Originalmeldungen. Aber das ist natürlich viel zu viel Aufwand … da müsste man ja erst recherchieren …

    Alex

  6. Ulf sagt:

    @wolf: Also als Provokation seh ich das Mahnmal natürlich nicht, sondern einfach als Aufforderung, die Opfer nicht zu vergessen. Dennoch finde ich den Vergleich irgendwie passend.
    @hugn: Danke
    @sanja: Ja, er sagt es nicht genau. Da muss ich dir zustimmen. Aber würdest du offen sagen: „Der Hund ist qualvoll verhungert, ankettet, von Menschen bis zum Tod hin begafft“?
    @lysch: Seh ich auch so
    @Alex: Ich kann kein Spanisch…

  7. Sanja sagt:

    @ulf: ja, würde ich. in seiner position erst recht. er meint er will die doppelmoral der leute anprangern. dann würde er das erst recht tun, wenn der hund tot wäre. und sein standpunkt ist auch richtig. es kümmert keinen, wenn er auf der straße verreckt wäre.
    ob das vieh tot ist oder nicht, ist im prinzip egal. nun nutzt jeder die gelegenheit sich als tierliebhaber zu outen und das verhalten anderer als unmenschlich zu poralisieren.

    @lysch: wie gesagt, die leute machen ein größeres Trara darum ob der Hund nun lebt oder nicht, als um seine Aussage – dass Einwanderer leal umgebracht werden.

  8. Sanja sagt:

    äh, ich korrigiere einwanderer mit dem wort „Mensch“

  9. reiskeks sagt:

    Hallo, ich bin gerade einer jener „Blogger, die das angefangen haben“. Darf ich mal ein paar Dinge korrigieren?

    1. Es waren nicht Blogger, die voneinander abschreiben, sondern Reporter aus Nicaragua, die tatsächlich bei dieser Ausstellung dabei gewesen sind (das ist auch die Referenzquelle des Spiegel-Artikels !), die darüber berichtet haben. DANN, als nichts passierte, haben Blogger etwas unternommen.
    2. Ich habe eine übersichtliche Seite aufgebaut (http://reiskeks-natividad.blogspot.com/), mit Informationen aus erster Hand (auf Englisch), die übrigens als eine der ersten Seiten bei Google erscheint, wenn man sich die Mühe macht, 2 Sekunden aufzuwenden, um Google zu benutzen.
    3. Die E-Mail Adresse von Herrn Jamie Sancho, der die Petition gestartet hat, ist gut sichtbar im Disclaimer der Petition zu lesen.
    4. Bei der ganzen Sache geht es darum, dass hier ein sogenannter „Künstler“ ganz offensichtlich versucht sich mit Bestialität zu profilieren. Er gewann den ersten Preis (nicht mit dem toten Hund, so von seiner Tat überzeugt war er noch nicht) und wurde als Vertreter seines Landes bei eben jener boykottierten Ausstellung gewählt.
    5. Nun gewinnt die Sache immer mehr an Bedeutung, denn die Offiziellen weigern sich den Künstler zu sperren „ganz egal wie viele den Boykott unterzeichnen“, während im Hintergrund Vargas und seine „Helfer“ versuchen, so viel Mythen und Unsicherheit wie möglich im Netz zu verbreiten. Seltsamerweise wird erst seitdem so viele protestieren behauptet, dass der Hund „ganz wohlauf gewesen sei“. Als direkt nach der ersten Veröffentlichung in den spanischen Medien die Tierschutzorganisationen protestiert haben, hat Vargas nur lakonisch geantwortet „der Hund war krank, wäre sowieso gestorben“. Und bei dieser Aussage blieb es, 2 Monate lang.
    6. Ich bin kein „verrückter Tierschützer, der sich über angeblich geschlachtete Milka lila Kühe aufregt“, sondern jemand der den bodenlosen Nihilismus und die Unmenschlichkeit von Leuten nicht begreifen kann, die im Namen von „Kunst“ töten, egal was oder wen und egal wie.
    7. Jeder, der seriöse Medien aus Südamerika für eine Hoax hält, nur weil er „kein Spanisch versteht“, macht sich irgendwie des Rassismus verdächtig, sorry. Die erste Zeitung, die darüber berichtet hat, ist das größte seriöse politische Onlinemagazin in Costa Rica.
    8. Ich möchte auch hier nochmals darum bitten, die Petition zu unterschreiben (http://www.petitiononline.com/13031953/), und diese Tatsachen an andere weiterzuleiten, sonst haben wir in Zukunft noch mehr von solchen „Künstlern“ zu erwarten. Was wird dann die nächste „Provokation“, ein toter Penner? Verhungernde Straßenkinder? Live-Vergewaltigung und Folter? Sorry, aber darauf läuft es hinaus…
    9. Ich wiederhole nochmal, es gibt spanisch sprechende Augenzeugen, und wir sind mit ihnen im Kontakt (Herr Jamie Sancho ist Spanier und hat inzwischen gewaltige Telefonkosten). Wenn Sie etwas von Kunst halten, die tatsächlich etwas in unserer Zeit transformieren kann, bitte unterstützen Sie diese Petition. Wenn Unmenschlichkeit zur Kunst erklärt wird, wird jede Kunst sterben. Wir werden in einer Zukunft, zusammengeklebt aus Aldi, MySpace, Ebay und YouTube enden, wo jeder, der auf die Straße kackt und sich dabei „live filmen“ lässt, als großartiger Künstler gefeiert würde…

    Danke für Unterstützung
    ‘reiskeks’

  10. Kurt Stöckl sagt:

    Ich gebe Dir in der Argumentation Deines Artikels durchaus recht, aber Du müsstest Dich nicht quasi mit Steigerungen( Straßenkinder, Folter…) entschuldigen. Meiner Meinung ist diese Tat bereits der Gipfel an Roheit >>>>>> TÖTEN ALS KUNSTWERK

  11. Leonard sagt:

    interessant, wie schnell hier alle verstummen, wenn die eigenen argumente plötzlich zu stolpersteinen geworden sind. nicht wahr, sanja, alex usw?

  12. Ulf sagt:

    @reiskeks: Wie kann man das rassistisch verstehen?! Ich kann kein Spanisch, deshalb versteh ich nicht, was in dem Online-Magazin (und ich war auf der Seite) steht. Und ich verlinke generell nichts zu einem Thema, wenn ich nicht weiß, was drin steht. Also ich finde das nicht rassistisch.
    @leonard: Ich vermute eher, dass sie meinen Blog nicht regelmäßig lesen ^^

  13. Leonard d. Q. sagt:

    nein ich bin recht oft hier. das eine schließt das andere nicht aus. :)

  14. Ulf sagt:

    Jo, kann sein ^^

  15. Kleene sagt:

    Das schlimmste ist in meinen Augen wie schlimm die Menschen sind!
    Jeder sollte sich mal an die eigene Nase fassen!
    Ich finde es weniger schlimm wenn Menschen sterben…
    Wir Menschen richten so viel Schaden an, die Tiere können für all das nichts.
    Ich würde diesen Guillermo Habacuc Vargas selbst verhungern lassen, wenn ich was zu sagen hätte…

  16. Christina Louis sagt:

    Tut mir leid, falls mein Dutsch nicht verstaendlich genug ist (?) um meinem Wut, Aergeer, und Ekel zu aussern. Habe selber Kunst studiert, in einer den besten Tempeln der Kunst ( Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts, Paris) und muss mich schaemen ueber den sogennanten “ HERRN KOLLEGE“ . In welche Kunstakademie oder Favela-Anstalt hat er sowas gelernt??? Es ist der Gipfel des „Entarteten Kunst“, und wir brauchen keine nachtraegliche Ausrededes „Kuenstlers“ das es war um uns aufmerksam zu machen, dass es ueberall hungernde, miserable Weisenhune gibt! Es gibt auch solcheMenschen: wirderdennaechsten auch auf der Kette fesseln? DISGUSTING!

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