Literarische Revolution

By Ulf

Er saß vor seinem MacBook, ein unangenehmes Drücken im Bauch. Gegessen hatte er noch nichts, heute war lange Schule und einige Emails waren ihm wichtiger als den grollenden Magen zu befriedigen. Zwei Rippen Schokolade mussten ihn vor der Revolution aus dem Inneren schützen.
Jetzt waren die Emails zwar verschickt, aber zuerst musste er eine Idee umsetzen, die ihn gestern die halbe Nacht wachgehalten hat – aber vielleicht war es auch nur die Tatsache, dass er erst am späten Nachmittag aufgestanden war und die Müdigkeit auf sich warten gelassen hatte. Trotz der mageren drei Stunden Schlaf war er überraschend wach und konzentriert, etwas niedergeschlagen von seiner Geschi-Klausur-Note, die aber immerhin besser war als die letzte. Dennoch mit seinem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien zufrieden.
Die Idee ist dabei doch ziemlich einfach. Einfach drauflosschreiben. Irgendeine Geschichte, vollkommen egal was. Wie hatte es ihm doch dieses Buch gesagt, an dessen Aufbewahrungsplatz er sich im Moment nicht erinnern konnte: Schreibe ohne viel nachzudenken, einfach so zum Spaß. Und das wollte er wirklich, wenn seine anderen (sicherlich) grandiosen Ideen für (sicherlich) grandiose Romane schon in seiner Gedankenwelt verfaulten.
Und das tat er jetzt auch. Wenn er schon seine Zeit damit verbrachte die Welt an seinem Leben und Gedanken teilhaben zu lassen, warum dann nicht mit dem „Schreiben-Üben“ verbinden? Welch grandiose Idee, würden die gepeinigten Leser ihm doch sofort – und natürlich nett und ohne Häme – darauf hinweisen, dass er doch mit diesem Schwachsinn aufhören solle. Wie gesagt, ganz nett. Oder ihn gar für den Einfall loben und seine Sprachgewandheit anhimmeln. Oh, er schien seinen verpassten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Immerhin ein schöner Traum.
Ehe er noch sehr viel weiter über diese neue Erkenntnis des Bloggens nachdenken konnte, durchzuckte ihn ein mehr als ungemütliches Gefühl. Die kleinen Menschen in seinem Magen stiegen auf die Barrikaden, stachen mit ihren Mistgabeln in die Schleimwand, versuchten sie mit Fackeln anzuzünden. Deshalb beschloss er jetzt mit einer nahrhaften Mahlzeit, die zweifelsohne dank seinen fragwürdigen Kochkünsten aus einer unheimlich leckeren Brotzeit bestand, die kleinen Menschen in seinem Magen zu erschlagen und ihnen mit Kohlehydraten ein angenehmes Grab zu schaffen. Oder so.
Ulf klappte sein Notebook zu und schlurfte sich den Bauch drückend in die Küche auf der Suche nach dem Rest Kuchen vom Wochenende. Denn wie hatte einst eine wohl nicht sehr intelligente Frau gesagt: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie Kuchen essen

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5 Antworten zu „Literarische Revolution“

  1. Hamzter sagt:

    Großes Tennis von Dir, Ulf! Ein fesselnder Blog-Eintrag; macht Lust auf mehr!

    Gruß, Hamzter

  2. chililady sagt:

    genialer Text, mir gehts zurzeit genau so! Setz dem auf keinVerlag.de und ich überschütte dich mit Empfelungen und Kommentaren!

  3. Madse sagt:

    IcksDe (xD)…. Ich sag einfach : Ueb nochn bisschen. Aber bitte hier und nich sonstwo ^^

  4. Ulf sagt:

    @hamzter: Dankeschön ^^
    @chililady: Ist auch auf keinVerlag.de veröffentlicht, jetzt warte ich nur noch auf die Empfehlungen und Kommentare ;-)
    @madse: Klar, übe ich noch. Und das tue ich immer zuerst hier.

  5. sofie sagt:

    Nette Idee.

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