Den Moment eingefangen

By Ulf

Wie reißt man einen Post, in dem man sich mit der Musik einer Band auseinander setzt, aus dem mittelmäßigen „Ach-sind-die-toll“- oder „Mann-sind-die-schlecht“-Niveau heraus? Denn diese Art von Blogeintrag kommt mir selbst immer unheimlich unecht, flach und dämlich vor. So ist das, wenn man seine Emotionen spontan und vollkommen unvermittelt aufschreibt. Ohne nachzudenken, ohne noch einmal drüber zu lesen. In diesem Zustand hat der Post nur das Prädikat „Peinlich“ verdient. Denn pure Emotion ist im Grunde immer peinlich. Es kommt in diesem Moment nur darauf an, ob der Mitmensch genau so denkt. Der wird das dann wohl nicht peinlich finden, alle anderen wahrscheinlich schon.

Genau so, haargenau so ist es auch mit Musik. Sind ihre Emotionen eine spontane und unüberlegte Komposition, fällt sie ähnlich schlecht wie die oben verlinkten Posts aus. Welch Widerspruch! Immerhin leben Emotionen durch ihre plötzliche Eingegebenheit, ihre „Ungeplantheit“. Im echten Leben wohlgemerkt.
Sobald Gefühle in Kunst umgesetzt werden, dürfen sie nicht spontan sein, denn dann klingt es kitschig. Sieht man doch auch in jedem Roman, Film und eben auch in der Musik.

Meistens oder besser fast immer. Merkwürdig, wie sich die Fotos dieser – meiner – Meinung widersetzen. Zum Beispiel mit Komm zurück. Es gibt wohl Milliarden an Songs, in denen gebettelt wird, dass die Geliebte doch zurückkommen soll. Aber wie schaffen es die Fotos diese ausgelutschte Thematik so umzusetzen, dass es originell und vor allem nicht peinlich klingt?
Auffällig ist, dass sie dazu nicht eine langsame, melancholische Melodie anstimmen, sondern schnelle, lebendige Gitarrengriffe anschlagen. Der Text, der dazu gesungen wird, könnte künstlerischer nicht sein. Er ist sogar sehr literarisch, wenn Sänger Tom acht mal hintereinander „Ich denk an dich, immer wieder“ singt. Die ständige Wiederholung greift und gibt seiner Aussage Ausdruck. Er denkt immer an sie, also wiederholt er dieses Statement immer wieder. So einfach kann es sein.
Im Klartext: Der Text ist voller rhetorischer Mittel, die ihn besonders machen. Metapher, Anti-Klimax, Antithese verformen sich zu einem Bild in unserem Kopf und vermitteln uns Gefühle. Es ist nicht die schlichte Mitteilung, dass man seine Ex vermisst und sie zurück kommen soll, weil man so traurig ist, sondern es sind die wahren Gefühle, die er empfindet, die in diesem Lied vermittelt werden.

Und bei diesem Ergebnis ist es wirklich traurig, dass der Erfolg ausblieb. last.fm sagt uns, dass die Fotos insgesamt nur 340.000 Mal gescobbelt wurden. Das Musikvideo zu Komm zurück bringt es bei youtube gerade mal auf 50.000 Klicks. Das Album schaffte es nicht in die Charts.
Am 28. März kam das neue Album der Fotos. Ich werde es mir in den nächsten Tagen holen und hoffe, dass es zum Durchbruch führt. Verdient hätten sie es.

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4 Antworten zu „Den Moment eingefangen“

  1. Madse sagt:

    Wie recht du wieder mal hast. Irgendwann kotzt es dermassen an, immer ueber seine Gedanken/Gefuehle nachdenken zu muessen, damit es anstaendig und nciht peinlich klingt, an, dass man es ganz bleiben laesst. So gehen massig moeglicherweise interessante Informationen verloren.

  2. ichistmeinname sagt:

    Naja, nur weil du in der „Öffentlichkeit“ deine Emotionen nicht gerne zeigst, heißt das nicht unbedingt, dass du sie nie ausleben kannst. In der Liebe ist sowas doch immer sehr angebracht, besonders Kitsch, klingt zwar dumm ist aber so.

    Und, heißt es nicht „gescRobbelt“? ;) Ich werde mal in die Jungs reinhören, schickste mir paar Lieder? :P

  3. Ulf sagt:

    @madse: Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall. Man muss sich einfach nur die Fotos anhören, dann weiß man, was dabei rauskommen kann :D
    @ich: „Du“ = direkte Anrede meiner Person oder „Du“ = direkte Anrede der Allgemeinheit? ^^

  4. ichistmeinname sagt:

    Allgemeinheit natürlich…

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