Arbeitsanweisung verfehlt
Ich habe ja mittlerweile aufgehört, bei jeder Gelegenheit auf Blogs zu kommentieren und auf dieser Weise der Blogosphäre unterschwellig mitzuteilen, dass es mich im Internet auch gibt und man sich doch auch mal meinen Blog anschauen könnte. Was natürlich nicht heißt, dass ich jetzt nicht mehr kommentiere, weil ich mich mittlerweile für zu gut dafür halte und von den gigantischen Besucherzahlen meines Weblogs so verklärt bin, dass ich mich für eine Art Ober-Macker halte, der es nicht für nötig hält, anderen zu zeigen, dass er ihre Beiträge im Web 2.0 zu schätzen weiß.
Viel mehr geht es mir darum, keinen unwichtigen und dämlichen Kommentar zu schreiben, für den ich mich später schämen werde, weil ich das doch nur zum Besucher angeln gemacht habe. Auch im Laufe seines Blogger-Lebens ist das Erwachsenwerden nicht auszuschließen. Ein von mir geschriebenes “lol” auf einen Post treibt mir schon beinahe die Schamesröte ins Gesicht und lässt mich denken, was ich doch für ein kleines, dummes Kind war - völlig außer Acht lassend, dass ich damals nur ein Jahr jünger war als heute.
Der Sinn der hinter so einer Möglichkeit liegt, kommt mir langsam wieder in den Sinn. Es geht doch in einem Kommentar, um die Mitteilung seiner Meinung, oder? Nicht um den (übrigens ziemlich nutzlosen) Versuch, sich zu präsentieren.
Das bringt mich auf meinen eigenen Blog und die Frage, warum sollte man einen Blog betreiben. Jeden Tag seine Zeit auf das Verfassen eines Posts zu verwenden? Dann auf die Statistiken zu schauen und sich darüber freuen, dass so viele Menschen auf seine Seite gehen? Oder eben zu sehen, dass es keine Besucher gibt.
Natürlich will man Besucher haben. Denn wenn niemand liest, was man schreibt, was hat es dann für einen Sinn? Ein Blog hat nicht die Absicht eines normalen Tagebuchs und sollte auch nicht als solches benutzt werden. Also begibt man sich auf Safari, in die Weiten des Internets, um die begehrten Visits und Pageviews zu bekommen, die niemand außer man selbst sehen kann. Man macht auf anderen Ausgeburten des Webs Werbung für seine eigene, postet Besucheranziehendes. Als bestes Beispiel kann ich hier meinen Dumbledore-Post anführen, den ich damals so schön reißerisch “Homo-Zauberer” taufte. Absicht war, mit einem einfach geschriebenen Post möglichst viele Besucher anzulocken. Was mir auch gelungen ist. Bis heute wurde dieser Post 960 Mal angeklickt, angelockt wurden aber wohl beträchtlich mehr. Der Oktober (mein erster Monat bei WordPress) war mein besucherstärkster Monat mit mehr als 2200 Visits und wohlgemerkt, es war eigentlich nur ein halber Monat. Mein Versuch war gelungen, hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und … nun ja, ich war glücklich über die vielen Besucher und die Kommentare, die sie hinterlassen hatten. In diesem Endorphin-Rausch habe ich zuerst den noch reißerischen Post über den verreckten Hund als Kunstobjekt geschrieben und begeistert meinen Dumbledore-Post mit dem mir heute auch sehr peinlichen Zusatz versehen, dass die Kommentare mittlerweile doch sehr viel interessanter seien als das was ich geschrieben habe. Klar, im ersten Moment absolut richtig, ist der Post doch großer Müll gewesen. Da kann es in den Kommentaren ja nur besser sein. Eigentlich schon, denn es kamen die unterschiedlichen Meinungen der Harry Potter Fans, die sich die Mühe machen, bei Google “dumbledore schwul” einzutippen, zu Tage. Eine echte Diskussion, die den von mir gegebenen Verweis verdient hätte, kam aber nicht zustande und ehrlich gesagt, ich hab die Kommentare ungefähr ab der Hälfte nur noch überflogen, da sowieso immer dasselbe gesagt wurde. Langweilig.
Also warum habe ich trotzdem auf die ach so tolle “Diskussion” verwiesen? Denkbar einfach, gebe ich die Antwort auf diese Frage doch schon in meinem Text. “Ich wollte es immer schon mal schreiben” steht da. Es ist der Stolz, einen Post geschrieben zu haben auf den es so viele Antworten gibt. Die pure Illusion, das ich etwas Besonderes geschafft habe. Heute kann ich mich nur fragen, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Ich habe nichts anderes gemacht als eine Meldung des Spiegels wiederzugeben und sporadisch meine Meinung abzugeben ohne mich in möglich falsch zu verstehende Aussagen zu verwickeln. Nicht einmal das ist mir damals gelungen. Also es gab keinen Grund auf diesen Post stolz zu sein.
Dass ich nach dem Hunde-Beitrag diese Art von Reißer-Posts gelassen habe, lag nicht daran, dass ich damit aufhören wollte. Mir kam nur alles so uninteressant vor. An bedeutsame Meldung aus Politik und Weltgeschehen habe ich mich erst gar nicht getraut, denn da wäre es bedeutend stärker aufgefallen, dass ich mich mit meiner eigenen Meinung zurückhalte und nur eine schon geschriebene Nachricht in andere Worte fasse. Ein bisschen Privatsender-Niveau.
Noch bevor ich mit diesem Text hier angefangen habe, musste Focus und Spiegel als Quelle für ein interessantes Thema herhalten. Da ist mir die Unnützigkeit dieses Durchforstens und Wiedergeben klar geworden. Was ist der Sinn des Bloggens?
Das muss selbstverständlich jeder für sich selbst beantworten, aber für mich ist es der kleine Ort, an dem man seine eigene Meinung der großen, weiten Welt mitteilen kann. Die erreiche ich mit meinen Posts nicht im Geringsten. Ich habe stattdessen meine Stammleser, über die ich sehr froh bin und die mir vollkommen reichen. Dabei ist dieser Post auch eine tolle Möglichkeit zu testen, wie viel meine Meinung den Stammlesern wert ist.
Und schon denke ich daran, diesem Post eine möglichst auffällige Überschrift zu geben, die zum Lesen animiert. Ich bin mir bewusst, wie abschreckend die Länge wirken muss, immerhin sitze ich jetzt schon geraume Zeit am Schreiben. Umso trauriger wäre es, wenn es niemand lesen würde.
Es gibt übrigens auch Posts auf die ich wirklich stolz bin. In erster Linie über meine “Personeller Erzähler”-Posts, besonders auf den ersten. Die Symbolik, die wohl nur ich darin erkenne, hat sich auch bei mir erst einen Tag nach dem Veröffentlichen eingestellt. Das hat mich sehr stolz gemacht, dass ich mit einem spontanen Posting eine so ausdrucksstarke Metapher zwischen den Menschen in meinem Bauch und meiner Leserschaft aufgebaut habe. Aber wie gesagt, das hat wohl niemand so richtig verstanden. Das Ergebnis war wieder so überraschend gut, dass ich das Format weitergeführt habe. Beim zweiten hat’s noch funktioniert, danach wurde es ziemlich auswechselbar. Schade eigentlich.
Mal schauen, wie lange ich diese Art von sehr langem Posting durchhalte. Die Zukunft wird’s zeigen.
Schlagworte: blog, reißerisch, selbstkritisch, selbstreflektion, sinnverlust
April 7, 2008 um 6:26 Uhr nachmittags
Solche langen Posts sind insgesamt seltener geworden. Schon alleine weil es, wie du schon richtig sagst, irgendwann austauschbar, trivial wird. Trotzdem komme ich gern zu dir und lese, was du der ( unseren kleinen ) Welt mitteilen willst.
April 7, 2008 um 9:06 Uhr nachmittags
Ich sehe Kommentare immer auf zwei Ebenen. Natürlich dienen sie in erster Linie einfach dazu seine eigene Meinung zu präsentieren und sich damit vielleicht auch ein wenig selbst zu produzieren. Das ist aber meiner Meinung nach überhaupt nicht verwerflich. Jeder Mensch möchte halt in gewisser Weise nicht vergessen werden und versucht einfach deshalb, denjenigen zu imponieren, deren Meinung, er für richtig erachtet.
Ich wollte beispielsweise gerne den Craplog.de-Leuten beweisen, wie cool und toll ich mich doch ausdrücken kann, ohne darüber nachzudenken, was ich eigentlich wirklich schreibe oder ob ich diese Meinung eigentlich wirklich vertrete. Es ist merkwürdig zu sehen, wie man sich in so kurzer Zeit doch verändern kann, aber es ist gut, dass man es wenigstens überhaupt bemerkt.
Auf der anderen Seite jedoch steht hinter jedem Kommentar, egal, wie dumm oder einfältig er geschrieben ist, dennoch ein gewisser Beitrag. So hast du dich ja auch über deine Kommentare zum “Dumbledore”-Post nicht deswegen gefreut, weil sich eine wirklich wertvolle Diskussion ergeben hat, sondern einfach, weil sie dir geholfen haben, dich besser und anerkannter zu fühlen.
Kommentare und Blogs sind mir eben deshalb so wichtig, weil ich in erster Instanz meine Meinung ausdrücken kann und in zweiter Instanz von anderen einfach wahrgenommen werde. So präsentiere ich meine Bilder beispielsweise auf Flickr und freue mich jedes Mal, wenn nur eine Person, die ich noch nie zuvor gesehen habe, darauf mit einem einfachen “nice pic” antwortet. Ich wusste, jemanden war meine Arbeit etwas wert gewesen.
April 8, 2008 um 4:47 Uhr nachmittags
Hmmmm… Hallo, Ulfilein..
Hab deinen Beitrag gelesen und fand ihn lang.
…
Natürlich war es auch ein sehr guter Beitrag; hat mir Spaß gemacht den zu lesen. Ich hab meinen Blog ja jetzt erst seit einem Monat und auch so um die 2000 Besuche bisher mit durchschnittlich etwa 70-80 Klicks am Tag (mein Rekord ist sogar über 200).
An manchen Tagen fällt es mir auch schwer was zu schreiben, auch wenn ich Lust dazu habe, und dann bediene ich mich vom Stoff her auf beim Spiegel, bei GMX oder sonstigen Seiten, wo man eine bequeme News-Übersicht hat. Es kann einem ja nicht jeden Tag die Eingebung zu einem Mega-Beitrag kommen, und damit der Blog nicht ausstirbt, sucht man sich halt etwas, wo man denkt “Och, das ist aber interessant” oder “Haha, wie lustig!” oder “Bäh! Was ist das denn?” und schreibt dann kurz darüber. Oder manchmal reicht doch auch ein unterhaltsames Video aus, um einen Blogeintrag zu machen.
Naja, warum ich blogge?
Hmm… ich würde sagen, weil ich (wie du ja weißt *hehe*) ein absoluter Selbstdarsteller bin. Und wie kann man das im Internet wohl besser, als mit einem Blog? Man schreibt einen Haufen Mist, der einen interessiert, und hofft, dass sich ein paar Ulknudeln finden, die die Interessen teilen, und freut sich, wenn man ein paar Leser gefunden hat. Ich z.B. war total begeistert, als ich an meinem ersten Tag, an dem ich den Leuten von meinem Blog erzählt habe schon ca. 50 Views hatte. Bloggen ist einfach eine nette Beschäftigung, wenn man gerne schreibt und sich mitteilen möchte, und ich bin erstaunt, dass mir da der Elan (wie bei so vielen Dingen sonst) bisher nicht auszugehen scheint.
Nunja, ich glaub, das wars erstmal,
Schönen Tag noch, bis morgen!
April 8, 2008 um 8:33 Uhr nachmittags
@madse: Vielen Dank. ^^ Ich lese auch gerne deine Meinungen. Aber bei so langen Posts hab ich viel öfter die Befürchtung, dass es einfach keiner liest, als dass es trivial werden kann.
@henry: Ja, aber ich kommentiere jetzt eigentlich nur noch, um meine Meinung darzustellen oder durch meinen Kommentar Respekt für einen Blog bzw. einen Post zu zollen. Nicht einzig um Beachtung zu finden.
Ach, so ein Geschrieben-ohne-nachzudenken-Post hab ich auch noch bei meinen Entwürfen rumliegen. Der geht demnächst online ^^ Bin schon auf die Resonanz gespannt.
Klar, habe ich mich unheimlich über die Kommentare bei dem Dumbledore-Post gefreut. Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, freue ich mich über die derzeitigen (längeren und aufwändigeren) Kommentare noch viel mehr.
@fridgie: Jo, der war lang; die nächsten fallen erstmal nicht ganz so lange aus (hoffe ich, ich muss sie ja immerhin schreiben). Aber schön, dass er dir gefallen hat.
Find ich aber gerade so symphatisch, besonders weil ich das nicht kann. Deshalb verschieb ich diese Selbstdarstellerei auf meinen Blog. Außerdem nutze ich ihn einfach, um meine schriftstellerischen Fähigkeiten zu verbessern, wobei sich dazu Kurzgeschichten sehr viel mehr eignen. Wo ich gerade dabei bin, ich sollte mal wieder eine schreiben. 
Ach, übrigens die “gigantischen Besucherzahlen” meines Blogs sind nicht wirklich so toll … also gib nicht so an
Und ich bringe ja immer noch so Meinungen zu aktuelle (Klatsch-) Meldungen. Killer-Knut *hust*
Allerdings bemühe ich mich, stärker und vor allem überzeugter Stellung zu beziehen, dass ich auch das Gefühl habe, dass es für mich Sinn hat, diesen Post zu schreiben.
Oh, ja. Ich weiß, was du für ein Selbstdarsteller bist