Fotos - Nach dem Goldrausch
Hmm, verdammt! Was bitte sind Serenaden? Das Wort habe ich ja noch nie gehört. Also wenn Tom singt, dass das er keine Serenaden mehr singt, was singt er denn dann nicht mehr? Mein guter Bekannter Herr Pedia muss mich aufklären.
Serenaden ist also italienisch und bedeutet “Abendlied”. Assoziiere ich jetzt mit Abschiedslied. Also tut der Sänger gut daran, solche Lieder nicht mehr zu singen. Klar, dass ich diese Aussage, jetzt aus dem Kontext des Liedes gerissen habe und zugunsten dieser tollen Einleitung missbraucht habe.
Aber es wäre auch zu früh für ein Abschiedslied. Immerhin ist Nach dem Goldrausch erst das zweite Album der jungen deutschen Band.
Was konnte man dem großartigen Debutalbum der Fotos schon vorwerfen? Vielleicht die auf sich neun Songs erstreckende fröhliche, lebendige und mit jedem Lied gleicher klingenden Melodien, die nur durch den letzten Song Katharina unterbrochen wurden. Bei Nach dem Goldrausch ist es in gewisser Weise genau umgedreht: Hier gibt es neun Songs mit ruhigem, nachdenklichem, vielleicht auch schon in gewissem Maße melancholischem Sound, während der erste Song, erste Single-Auskopplung Nach dem Goldrausch (hmm, heißt so nicht auch das Album?) mit tragendem “Hahahahaha”-Backgroundgesang und lebhafter Stimmung, die wohl auf die Mischung aus schnellem Takt und dem auffälligen Keyboard zurückzuführen ist. Ganz so krass ist es natürlich nicht, aber es geht in diese Richtung.
Nach dem Goldrausch (jetzt wieder das Album) bekennt sich zu minimalistischer Musik, ruhigeren Stücken, mit Soulanleihen. Es ist also an sich das genau Gegenteil des ersten Albums, das sich vornehmlich durch Indie-Rock auszeichnet. Und trotzdem erkennt man an jedem der Lieder den Interpreten. Trotz dem extremen Wandel kann man die neuen Songs ohne Probleme als die von den Fotos bezeichnen
Damit ist den vier Jungs ein Kunststück gelungen, das Panic at the Disco misslungen ist. Aber das mag auch mit der markanten Stimme von Tom zu tun haben.
Inhaltlich gesehen bietet Nach dem Goldrausch nach wie vor ehrliche und offenherzige Texte, die immer ästhetisch und niemals schmierig oder kitschig rüberkommen. Mit Fotos wird in gewisser Weise eine ähnliche Thematik wie bei Komm zurück behandelt, nur irgendwie anders. Nämlich mit dem Akzeptieren der Trennung. Aus dem Titel stammt auch meine Lieblingszeile: “Und die Fotos, die ich zeigten mit dir, irgendjemand hat sich für mich zerrissen”. Weiß gar nicht genau, warum ich das so toll finde.
Mit Explodieren eine schöne Aufforderung, aus sich selbst rauszugehen. So wird gesungen: “Hör einfach auf zu Funktionieren, jetzt ist die Zeit zu explodieren”. Auch eine meiner Lieblingszeilen
Die genannte Ästhetik entsteht in erster Linie - wie schon im ersten Album - durch clevere Metaphern. So schlicht kann man es erklären und ebenso schlicht sage ich zum Abschluss:
Kauft es euch. Es ist es wert!
Trackliste (Anspieltipps fett gedruckt):
- Nach dem Goldrausch
- Serenaden
- Ein Versprechen
- Ich häng an dir und du hängst an mir
- Explodieren
- Ein Freak und ein Spinner
- Das ist nicht was ich will
- Fotos (heißt so auch nicht die Band und das erste Album?)
- Essen, Schlafen, Warten und Spielen
- Kalifornieren
2 Comments
Jump to comment form | comments rss [?] | trackback uri [?]