Arbeitsanweisung verfehlt
April 7, 2008Ich habe ja mittlerweile aufgehört, bei jeder Gelegenheit auf Blogs zu kommentieren und auf dieser Weise der Blogosphäre unterschwellig mitzuteilen, dass es mich im Internet auch gibt und man sich doch auch mal meinen Blog anschauen könnte. Was natürlich nicht heißt, dass ich jetzt nicht mehr kommentiere, weil ich mich mittlerweile für zu gut dafür halte und von den gigantischen Besucherzahlen meines Weblogs so verklärt bin, dass ich mich für eine Art Ober-Macker halte, der es nicht für nötig hält, anderen zu zeigen, dass er ihre Beiträge im Web 2.0 zu schätzen weiß.
Viel mehr geht es mir darum, keinen unwichtigen und dämlichen Kommentar zu schreiben, für den ich mich später schämen werde, weil ich das doch nur zum Besucher angeln gemacht habe. Auch im Laufe seines Blogger-Lebens ist das Erwachsenwerden nicht auszuschließen. Ein von mir geschriebenes “lol” auf einen Post treibt mir schon beinahe die Schamesröte ins Gesicht und lässt mich denken, was ich doch für ein kleines, dummes Kind war - völlig außer Acht lassend, dass ich damals nur ein Jahr jünger war als heute.
Der Sinn der hinter so einer Möglichkeit liegt, kommt mir langsam wieder in den Sinn. Es geht doch in einem Kommentar, um die Mitteilung seiner Meinung, oder? Nicht um den (übrigens ziemlich nutzlosen) Versuch, sich zu präsentieren.
Das bringt mich auf meinen eigenen Blog und die Frage, warum sollte man einen Blog betreiben. Jeden Tag seine Zeit auf das Verfassen eines Posts zu verwenden? Dann auf die Statistiken zu schauen und sich darüber freuen, dass so viele Menschen auf seine Seite gehen? Oder eben zu sehen, dass es keine Besucher gibt.
Natürlich will man Besucher haben. Denn wenn niemand liest, was man schreibt, was hat es dann für einen Sinn? Ein Blog hat nicht die Absicht eines normalen Tagebuchs und sollte auch nicht als solches benutzt werden. Also begibt man sich auf Safari, in die Weiten des Internets, um die begehrten Visits und Pageviews zu bekommen, die niemand außer man selbst sehen kann. Man macht auf anderen Ausgeburten des Webs Werbung für seine eigene, postet Besucheranziehendes. Als bestes Beispiel kann ich hier meinen Dumbledore-Post anführen, den ich damals so schön reißerisch “Homo-Zauberer” taufte. Absicht war, mit einem einfach geschriebenen Post möglichst viele Besucher anzulocken. Was mir auch gelungen ist. Bis heute wurde dieser Post 960 Mal angeklickt, angelockt wurden aber wohl beträchtlich mehr. Der Oktober (mein erster Monat bei WordPress) war mein besucherstärkster Monat mit mehr als 2200 Visits und wohlgemerkt, es war eigentlich nur ein halber Monat. Mein Versuch war gelungen, hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und … nun ja, ich war glücklich über die vielen Besucher und die Kommentare, die sie hinterlassen hatten. In diesem Endorphin-Rausch habe ich zuerst den noch reißerischen Post über den verreckten Hund als Kunstobjekt geschrieben und begeistert meinen Dumbledore-Post mit dem mir heute auch sehr peinlichen Zusatz versehen, dass die Kommentare mittlerweile doch sehr viel interessanter seien als das was ich geschrieben habe. Klar, im ersten Moment absolut richtig, ist der Post doch großer Müll gewesen. Da kann es in den Kommentaren ja nur besser sein. Eigentlich schon, denn es kamen die unterschiedlichen Meinungen der Harry Potter Fans, die sich die Mühe machen, bei Google “dumbledore schwul” einzutippen, zu Tage. Eine echte Diskussion, die den von mir gegebenen Verweis verdient hätte, kam aber nicht zustande und ehrlich gesagt, ich hab die Kommentare ungefähr ab der Hälfte nur noch überflogen, da sowieso immer dasselbe gesagt wurde. Langweilig.
Also warum habe ich trotzdem auf die ach so tolle “Diskussion” verwiesen? Denkbar einfach, gebe ich die Antwort auf diese Frage doch schon in meinem Text. “Ich wollte es immer schon mal schreiben” steht da. Es ist der Stolz, einen Post geschrieben zu haben auf den es so viele Antworten gibt. Die pure Illusion, das ich etwas Besonderes geschafft habe. Heute kann ich mich nur fragen, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Ich habe nichts anderes gemacht als eine Meldung des Spiegels wiederzugeben und sporadisch meine Meinung abzugeben ohne mich in möglich falsch zu verstehende Aussagen zu verwickeln. Nicht einmal das ist mir damals gelungen. Also es gab keinen Grund auf diesen Post stolz zu sein.
Dass ich nach dem Hunde-Beitrag diese Art von Reißer-Posts gelassen habe, lag nicht daran, dass ich damit aufhören wollte. Mir kam nur alles so uninteressant vor. An bedeutsame Meldung aus Politik und Weltgeschehen habe ich mich erst gar nicht getraut, denn da wäre es bedeutend stärker aufgefallen, dass ich mich mit meiner eigenen Meinung zurückhalte und nur eine schon geschriebene Nachricht in andere Worte fasse. Ein bisschen Privatsender-Niveau.
Noch bevor ich mit diesem Text hier angefangen habe, musste Focus und Spiegel als Quelle für ein interessantes Thema herhalten. Da ist mir die Unnützigkeit dieses Durchforstens und Wiedergeben klar geworden. Was ist der Sinn des Bloggens?
Das muss selbstverständlich jeder für sich selbst beantworten, aber für mich ist es der kleine Ort, an dem man seine eigene Meinung der großen, weiten Welt mitteilen kann. Die erreiche ich mit meinen Posts nicht im Geringsten. Ich habe stattdessen meine Stammleser, über die ich sehr froh bin und die mir vollkommen reichen. Dabei ist dieser Post auch eine tolle Möglichkeit zu testen, wie viel meine Meinung den Stammlesern wert ist.
Und schon denke ich daran, diesem Post eine möglichst auffällige Überschrift zu geben, die zum Lesen animiert. Ich bin mir bewusst, wie abschreckend die Länge wirken muss, immerhin sitze ich jetzt schon geraume Zeit am Schreiben. Umso trauriger wäre es, wenn es niemand lesen würde.
Es gibt übrigens auch Posts auf die ich wirklich stolz bin. In erster Linie über meine “Personeller Erzähler”-Posts, besonders auf den ersten. Die Symbolik, die wohl nur ich darin erkenne, hat sich auch bei mir erst einen Tag nach dem Veröffentlichen eingestellt. Das hat mich sehr stolz gemacht, dass ich mit einem spontanen Posting eine so ausdrucksstarke Metapher zwischen den Menschen in meinem Bauch und meiner Leserschaft aufgebaut habe. Aber wie gesagt, das hat wohl niemand so richtig verstanden. Das Ergebnis war wieder so überraschend gut, dass ich das Format weitergeführt habe. Beim zweiten hat’s noch funktioniert, danach wurde es ziemlich auswechselbar. Schade eigentlich.
Mal schauen, wie lange ich diese Art von sehr langem Posting durchhalte. Die Zukunft wird’s zeigen.
